Ein Vegetarier auf Reisen: Japan

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Im März hatte ich das große Vergnügen nach Japan zu reisen. Es hat sich dort in den letzten Jahren sehr viel für Vegetarier getan, vor einigen Jahren war es noch deutlich schwieriger. Auf Fleisch und Hühnchen verzichten war noch ok, aber auf Fisch und Meeresfrüchte? Das war sehr schwierig. Viele Suppen und Soßen werden mit Bonito (Katsuobushi = Thunfisch-Flocken) und anderem Meeresgetier gewürzt, sodass es für Japaner nicht bewusst ist, dass es nicht vegetarisch ist. Für mich war die einfachste Sache etwas Vegetarisches zu bekommen Onigiri (gefüllte Reisbällchen) und meine über alles geliebte Yakisoba-Brötchen. Diese gibt es bei den überall 24 Std. geöffneten konbinis (convenience stores: Lawson, Seven Eleven oder Family Mart) zu kaufen. Ich gebe zu, die Yakisoba-Brötchen gehören nicht zu den gesündesten Nahrungsmitteln, aber sie sind sooo lecker.

Als „Langnase“ ist es schwierig überhaupt ein Restaurant zu finden. Von außen kann man als nicht Japanisch lesender Mensch kaum erkennen ob es ein Restaurant ist und wenn ja um welches es sich handelt. Es gibt sehr häufig Restaurants, die sich auf eine Sache spezialisieren. Zum Beispiel: Ramen (Nudeln in Brühe), Fugu (Kugelfisch), Yakitori (gebratene Hühnchen), oder vieles andere mehr. Hier habe ich ein paar Fotos, da könnt Ihr entscheiden, wohin Ihr gehen würdet 🙂

Viele Restaurants haben Displays mit Nachbildungen aus Kunststoff, da kann man sehr gut sehen, wie die Gerichte aussehen, aber was dort drin steckt weiß man trotzdem nicht. Bei dem Bild oben handelt es sich übrigens um ein Restaurant, welches Portionen für Sumo-Ringer anbietet. Diese sind in der untersten Reihe zu sehen. Leider kann man die tatsächlichen Dimensionen kaum erkennen. Der Pudding ist so groß wie ein Eimer und besteht aus 20 Portionen, die Pommes sind ein Haufen mit 10 Portionen.

Ein Izakaya (= Sake-Laden zum Sitzen) bietet viele kleine Gerichte an, die sich gut zu einem Bier oder Sake essen lassen. Dabei teilen sich die Gäste am Tisch alle Gerichte und hier gibt es meist eine große Anzahl vegetarischer Varianten. Ich mag diese Art von Restaurants sehr gerne, da jeder viel probieren kann und in einer kleinen Gruppe wird es schnell sehr gemütlich.
Hier eine Übersicht was wir in Osaka, in einem auf Yuzu (Zitrusfrucht) spezialisiertes Izakaya bekommen haben. Vegetarier, Pescetarier und Karnivor können hier gemeinsam genießen.

Wir lieben die traditionellen Ryokan (= Reisegasthaus) für die Übernachtung. Das Tsutamura-Ya ist ca. 150 Jahre alt und liegt an dem Nakasendō, einem alten Wanderweg von Edo nach Kyoto. Im März ist es hier noch recht kalt, in der Nacht lagen die Temperaturen unter 0° C. Das Ryokan wird seit 2 Jahren vom Sohn geleitet, der uns und die anderen Gäste, auch mit wenig English, sehr herzlich aufgenommen hat. Wie in der alten Zeit macht er am Abend die Holzläden dicht, da die Zimmer ansonsten nur durch die Shōji (Schiebetüren aus Papier) von der Außenwelt getrennt sind. Aufwärmen kann man sich im Erdgeschoss am offenen Feuer und dem Ofen. Normalerweise ist dies nicht ein Ort, an dem ich mit vegetarischem Essen rechne, aber ich wurde sehr positiv überrascht. Das Essen war gute Hausmannskost und lecker. Die Familie baut eigenes Gemüse an, erntet Bambus, braut Sake und züchtet Fische. Besser geht Regional und Saisonal nicht!

Ein weiteres herausragendes Essen haben wir in Wakura-Onsen bekommen. Die Betreiber hatten im Vorfeld genau nachgefragt was geht und was nicht und dann waren meine Teller extra beschriftet, damit nichts durcheinander kam.

Normalerweise fahren wir immer zu neuen Orten, aber dieses mal haben wir wieder Kurokawa-Onsen besucht. Dies liegt auf der südlichen Insel Kyūshū in einer Bergregion. Es ist ein traditioneller Ort mit sehr vielen heißen Quellen (= Onsen). Kurokawa ist schon seit langer Zeit als Kurort bekannt, aber zum Glück ist es nicht von Touristen überrannt und man findet auch keine Souvenir-Shops. Es geht einfach nur um wunderbar heiße Bäder, schöne Natur und ganz hervorragendes Essen. Im Gegensatz zu ein paar Jahren früher hat unser Ryokan Kurokawaso keine Probleme mit Vegetarischem Essen. Bei dieser traditionellen Übernachtungsart im Ryokan ist Abendessen und Frühstück im Preis enthalten. Deshalb wirkt es im ersten Moment teuer, aber bei der Qualität des Essens lohnt es sich sehr. Der Koch hat sich sehr viele Mühe gegeben und alle meine Speisen waren hervorragend zusammengestellt.

Aber vor dem Essen ging es natürlich erstmal ins Onsen und danach wurde das Abendessen auf dem Zimmer serviert. Viele Zutaten kamen aus den Bergen in der Region und sie waren nur zu dieser Zeit erhältlich. Viele waren mir unbekannt, erkennen konnte ich bei dem Tempura eine Pestwurz-Blüte (sehr aromatisch) und Farn. Es war das beste Tempura, was ich bisher in meinem Leben gegessen habe. Sehr knusprig, total zart und gar nicht fettig! Leider kenne ich die exakten Bezeichnungen nicht, aber es gab noch Shitake-Sushi, Erbsen-Tofu, verschieden Salate, eine Suppe mit einer geschmorten Zwiebel, eine Bambussprosse geräuchert auf Kiefernnadeln, Miso und vieles andere. Ein großes Fest!

Das ganze wurde dann am Morgen mit einem Frühstück getoppt, bei dem es auf einem Magnolien-Blatt gebratenes Miso gab. Eine Köstlichkeit, die ich auf jeden Fall zuhause nachkochen werde. Die nötigen Zutaten habe ich mir natürlich gleich besorgt.

Noch eine kleine Anekdote zu Japanischem Essen in ein paar Bildern von Obst. Beim nächsten Einkauf könnt Ihr überlegen, ob Ihr eine Melone für 17,37 Euro oder einen Apfel für 6,08 Euro pro Stück kaufen würdet. Auch wenn sie noch so schön präsentiert werden und die Diskussion um in Plastik verpackte Bio-Gurken dort noch nicht angekommen ist. Es gibt in Japan noch krassere Beispiele. Wahrscheinlich habt Ihr schon von den eckigen Melonen gehört, die mehrere 100 Euro kosten können.

Gerne gebe ich hier die Namen der Herbergen und Orte an, da ich anderen Vegetariern diese Erfahrung auch gönne und ich sie aus vollem Herzen empfehlen kann (ohne dass ich dafür eine Vergütung erhalte!).

Zum Schluss noch ein paar Fotos aus Osaka, dem totalen Kontrast zu Tsumago:

2 Kommentare

  • Hanna

    Danke für diesen Bericht. Das sieht sowas von abenteuerlich aus, aber auch sehr spannend. Schön, dass Du das in dieser Form für Leute wie mich, die sich nie dorthin wagen würden, zusammengestellt hast. So hat man doch einen guten Eindruck von dem fremden Land. Das macht Lust auf mehr Berichte.
    Hanna

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